Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Hämatit Lexikon

Hämatit erkennen – zwei Tests, klare Antworten

Hämatit

Kein Schmuckstein ist einfacher zu prüfen: Strichprobe und Magnet beantworten die Hämatit-Frage in unter einer Minute – man muss die beiden Tests nur kennen und richtig lesen.

Test 1: die Strichprobe

Der Klassiker der Mineralbestimmung, am Hämatit erfunden, könnte man meinen: Über unglasierte Keramik (Strichtafel, Tassenboden-Unterseite) gezogen hinterlässt der stahlgraue Stein einen rotbraunen Strich – das „Blut“ im Blutstein. Kein gängiger grauer Metallglanz-Verwechsler streicht rot: Magnetit streicht schwarz, Galenit grauschwarz, Sinterware meist bräunlich-grau bis schwärzlich. Aber: Die Probe kratzt – nur an verdeckter Stelle oder am Rohstück, nie über die Schauseite polierter Ware.

Test 2: der Magnet

Der wichtigste Test des Schmuckmarkts: Echter Hämatit reagiert auf einen Handmagneten praktisch nicht – allenfalls hauchzart bei magnetit-verunreinigtem Material. Springt eine Perle an den Magneten, ist sie „Hämatin“: gesintertes Eisenoxid-Kunstmaterial (teils mit Ferrit-Anteil), das als „magnetischer Hämatit“ oder unter Fantasienamen kursiert. Merksatz: Magnetisch heißt gesintert. Die Sinterware verrät sich zusätzlich durch perfekte Gleichförmigkeit, gelegentliche Gussnähte und geringfügig niedrigere Dichte.

Die Abgrenzungstabelle

MaterialVerwechslungsgrundAbgrenzung zum Hämatit
„Hämatin“ (Sinterware)identische Optikmagnetisch, gussperfekt, Strich gräulich – Kunstprodukt, deklarationspflichtig
Magnetitschwarzer Metallglanzstark magnetisch UND schwarzer Strich
Galenit (Bleiglanz)Metallglanznoch schwerer (7,5), weicher (2,5–3), Würfelspaltbarkeit, grauschwarzer Strich
Beschichtetes Glas/Keramik („Hematite-Look“)Modeschmuck-Optikzu leicht, Beschichtung an Abplatzern erkennbar
Ilmenit, Wolframit u. a. ErzmineraleSammlerstufeneigene Strich- und Dichtewerte – Laborfall

Die Kennwerte

Dichte 5,12–5,3 (das satte Handgewicht ist selbst ein Test), Härte 5–6,5, opak mit Metallglanz, rotbrauner Strich, keine Spaltbarkeit. Für Schmuckzwecke reicht diese Kombination; Grenzfälle unter den Erzmineralen klärt die Auflichtmikroskopie.

Aus der Laborpraxis: Die Hämatit-Prüfung ist die schnellste des Hauses – Magnetverhalten, Dichte und (am Rohmaterial) Strichfarbe entscheiden; bei Stufen kommt die Formen- und Provenienzplausibilität hinzu, bei „Regenbogen-Hämatit“ die Frage natürlicher Anlauffarben gegen Bedampfung. Auch diese Prüfungen laufen im eigenen gemmologischen Labor, seit 2002 – der Befund „gesintert, nicht Hämatit“ ist dabei der häufigste des ganzen Segments.

Häufige Fragen

Welche Strichfarbe hat Hämatit?
Rotbraun – auf unglasierter Keramik das klassische Erkennungszeichen; Magnetit streicht schwarz, Sinterware gräulich. Nur an verdeckter Stelle testen.
Was bedeutet es, wenn Hämatit magnetisch ist?
Dass es keiner ist: Magnetische Perlen sind gesintertes „Hämatin“ – ein Kunstprodukt, das als solches deklariert werden muss.
Wie unterscheide ich Hämatit von Magnetit?
Doppelt: Magnetit ist stark magnetisch und streicht schwarz – Hämatit unmagnetisch mit rotbraunem Strich.
Was ist Regenbogen-Hämatit?
Schillernder Hämatit – natürlich durch feinste Oberflächenschichten (etwa aus Brasilien) oder künstlich bedampft; die Unterscheidung ist ein Laborbefund.

Fazit

Roter Strich, kalter Magnet: Hämatit besteht seine Prüfung in einer Minute – und entlarvt nebenbei das meistverkaufte Imitat des Perlenmarkts. Einfacher wird Gemmologie nicht.