Andalusit zu schleifen ist eine Aufgabe für erfahrene Lapidare – nicht wegen seiner Spaltbarkeit, sondern wegen seiner Optik: Der Schleifer muss die Kristallausrichtung so wählen, dass alle drei Pleochroismus-Farben gleichzeitig sichtbar werden. Das ist ein Kunststück.
Die Herausforderung: drei Farben in einer Facette
Bei den meisten pleochroitischen Edelsteinen wählt der Schleifer eine Ausrichtung, die die intensivste oder gewünschte Farbe maximiert. Bei Andalusit ist das anders: Sein besonderer Reiz liegt gerade darin, dass alle drei Farben gleichzeitig sichtbar sind – Grün, Orange und Braun je nach Betrachtungswinkel. Der Lapidar orientiert den Stein deshalb so, dass die optischen Achsen diagonal zur Tafel verlaufen, sodass sich beim Drehen alle drei Farbtöne zeigen.
Geeignete Schliffformen
- Brillantschliff (Rund) – häufigste Wahl; beim Drehen des Steins wechseln alle drei Farben in fließenden Übergängen
- Oval – beliebt für größere Steine; zeigt die Farben entlang der Längsachse besonders deutlich
- Cushion – warme, romantische Form; betont die Braun-Orange-Töne
- Tropfen (Pear) – elegant für Anhänger
- Cabochon – selten bei transparentem Material; bei Chiastolith die einzige sinnvolle Form, da das Kreuzzeichnung-Muster nur als Cabochon sichtbar ist
Spaltbarkeit beachten
Andalusit hat eine deutliche Spaltbarkeit nach (110). Beim Schliff und beim Fassen muss darauf geachtet werden, dass keine Facetten parallel zur Spaltebene liegen – sonst kann schon leichter Druck den Stein entlang der Spaltfläche beschädigen. Ein erfahrener Juwelier kennt diese Schwachstelle und wählt die Fassung entsprechend.
Schliff für maximalen Pleochroismus
Die beste Methode für einen erfahrenen Lapidar: den Rohstein unter dem Polarisationsmikroskop orientieren und die drei Farbachsen bestimmen. Die Tafel (Oberseite des fertigen Steins) wird dann so ausgerichtet, dass sie keine der drei Hauptachsen direkt trifft, sondern diagonal zwischen ihnen liegt. Das Ergebnis ist ein Stein, der bei jeder Bewegung fließend zwischen Grün, Orange und Braun wechselt.
Fazit
Ein gut geschliffener Andalusit ist ein Kunstwerk in sich – die Arbeit des Lapidars entscheidet darüber, ob der Trichroismus zur vollen Geltung kommt oder verpufft. Beim Kauf lohnt es sich, den Stein unter verschiedenen Winkeln zu betrachten: Ein guter Schliff zeigt alle drei Farben lebendig und ausgewogen.