Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Amazonit Lexikon

Amazonit Herkunft – Ilmen-Gebirge, Pikes Peak und Afrika

Amazonit

Amazonit wächst in Granit-Pegmatiten – dort, wo langsam kristallisierende Restschmelzen Platz für große Feldspäte ließen. Seine berühmtesten Adressen liegen ausgerechnet dort, wo der Namensfluss nicht fließt: im Ural-Vorland und in Colorado.

Russland – die klassische Lagerstätte

Die historische Referenz ist das Ilmen-Gebirge bei Miass am Südural: Seit dem 18. Jahrhundert liefern die dortigen Pegmatite intensiv gefärbten Amazonit – Material, das unter Katharina der Großen den russischen Steinschleifereien zufloss und die europäische Bekanntheit des Steins begründete. Das Gebiet ist heute größtenteils Mineralogie-Schutzreservat; russischer Amazonit (auch von der Kola-Halbinsel) gilt weiterhin als Maßstab für sattes Blaugrün.

USA – Pikes Peak und die schönsten Stufen der Welt

Die Region um den Pikes Peak in Colorado ist die Sammler-Kultadresse: Dort wächst blaugrüner Amazonit gemeinsam mit Rauchquarz in Taschen des Granits – die Kombination aus türkisgrünen Feldspatkristallen und schwarzbraunen Quarzspitzen zählt zu den begehrtesten Mineralstufen überhaupt und erzielt als Sammlerobjekt Preise weit über jedem Schleifwert. Schleifware ist aus Colorado eher Nebenprodukt.

Afrika – die Marktversorger

Das Gros der heutigen Schmuckware stammt aus Afrika: Madagaskar (große, gleichmäßige Partien für Cabochons und Perlen), Äthiopien (in den letzten Jahren mit auffallend intensiv türkisfarbenem Material), dazu Namibia, Mosambik und Nigeria. Brasilien ergänzt solide Qualitäten – nur eben nicht vom Amazonas. Über unsere ostafrikanischen Beschaffungswege läuft Amazonit als regelmäßiger Begleitposten – geprüft wie alles im eigenen Labor.

Historische Fundstelle der besonderen Art

Die älteste dokumentierte Nutzung führt nach Ägypten: Amazonit-Schmuck und -Amulette der Pharaonenzeit – prominent im Grabschatz des Tutanchamun – belegen Abbau oder Handel bereits vor über 3000 Jahren; als Quellen gelten Vorkommen im ägyptisch-nubischen Raum. Die ganze Geschichte: Bedeutung & Geschichte.

Herkunft und Wert: Wie bei den meisten günstigen Steinen zählt die Qualität, nicht das Etikett – mit zwei Ausnahmen: dokumentierte russische Klassiker-Provenienz bei Sammlermaterial und die Pikes-Peak-Stufen, deren Wert ohnehin in der Kristallästhetik liegt, nicht im Rohstoff.

Häufige Fragen

Wo wird Amazonit abgebaut?
Klassisch in Russland (Ilmen-Gebirge, Kola), sammlerberühmt am Pikes Peak in Colorado – die Marktversorgung stammt heute vor allem aus Madagaskar, Äthiopien und weiteren afrikanischen Ländern sowie Brasilien.
Was macht Pikes-Peak-Amazonit so berühmt?
Die Kombination mit Rauchquarz: Türkisgrüne Feldspatkristalle neben schwarzbraunen Quarzspitzen zählen zu den begehrtesten Mineralstufen der Welt.
Gibt es Amazonit am Amazonas?
Nein – ein Vorkommen dort ist nicht bekannt; der Name beruht auf einer historischen Fehlzuordnung.
Woher stammt der Amazonit der Pharaonen?
Aus Vorkommen des ägyptisch-nubischen Raums – belegt durch Schmuck und Amulette der Pharaonenzeit, prominent im Grab des Tutanchamun.

Fazit

Ural-Klassik, Colorado-Kult, Afrika-Gegenwart – und ein Namensfluss ohne Vorkommen: Die Amazonit-Karte ist voller guter Geschichten. Bezahlt wird trotzdem nur eine: die Farbqualität.